Heiligensee

 

Geschichtliche Entwicklung
Die Gründung Heiligensees geht auf die Zeit um etwa 1240 zurück. Die Kolonisierung des Angerdorfs wurde damals von den Askaniern betrieben. Der Name des Dorfes wie auch des Sees wurde gewählt, weil das Wasser des Sees für heilkräftig gehalten wurde. Um das Dorf erstreckte sich das Ackerland der Heiligenseer Feldmark, das in drei große Felder eingeteilt war.

Eine erste Ansiedlung außerhalb des Dorfes entstand in Schulzendorf. Hier wurde vorher Teerherstellung betrieben. Das zum Kreis Niederbarnim gehörende Heiligensee wurde schließlich am 01.10.1920 zu Berlin (Verwaltungsbezirk Reinickendorf) eingemeindet. Konradshöhe und Tegelort bildeten sich nach 1950 als eigenständiger Ortsteil heraus.

Heiligensee hatte viel zu bieten. Es gab seit 1913 eine Gemeindestraßenbahn und zwischen 1910 und 1919 sogar einen Flugplatz. Eine Gasanstalt sorgte für die energiemäßige Versorgung. Unzählige Ausflugslokale und Gastwirtschaften luden ausflugswillige Berliner und Brandenburger zum Amüsement ein. Die Bahnlinie der Kremmener Bahn führte seit 1893 durch Heiligensee. Es entstanden die Bahnhöfe Schulzendorf und Heiligensee.


Artikel
Wir sind dabei, weitere Informationen über Heiligensee zusammenzutragen. In Zukunft erhalten Sie hier Geschichtliche Artikel sowie Aktuelles rund um diesen herausragenden Ortsteil.  Weitere Informationen zu Heiligensee finden Sie auch auf der Link-Seite.

Kurzurlaub auf der Halbinsel Heiligensee

Auf den Spuren von Germanen und Fabrikanten im hohen Norden

Von Silke Böttcher

Zum Wasser haben es die Menschen in Heiligensee nicht weit. Kein Wunder also, dass der Reinickendorfer Ortsteil den See gleich im Namen trägt. Im Westen vom Nieder Neuendorfer See begrenzt und im Osten vom Heiligensee, genießt man zumindest in Alt-Heiligensee wahres Insel-Gefühl. Genau richtig für einen Kurzurlaub.

Wir starten am S-Bahnhof Heiligensee, der ein Stück vom alten Dorfkern entfernt liegt. Vor dem Bahnhof verläuft die Ruppiner Chaussee - wer mag, steigt in den Bus 124 und fährt bis zur Ecke Heiligenseestraße. Wer lieber laufen will, biegt von der Ruppiner Chaussee links ab in die Hennigsdorfer Straße. Dort residiert gleich rechts das Berliner Underberg-Werk, in dem täglich eine Million Kräuterschnaps-Fläschchen produziert werden. Wir spazieren auf der Hennigsdorfer Straße bis zur Heiligenseestraße und biegen in die Straße Alt-Heiligensee ein. Hier nähern wir uns dem Dorf Heiligensee. Hier siedelten vor unserer Zeitrechnung germanische Semnonen. Deutsche Bauern kamen um 1200 hinzu, erste Erwähnung fand das Dorf 1308, als der Bürger Mundicke eine Wiese ans Kloster zu Spandau verkaufte. Viele Sagen ranken sich um das Gebiet - von einem versunkenen Schloss bis zu einer weißen Frau.

Bis heute hat Alt-Heiligensee seine Form als Angerdorf bewahrt. Auf der Dorfaue erhebt sich die Dorkirche aus dem 15./16. Jahrhundert mit dem 1761 angefügten Turm und einem kleinen Friedhof. Nebenan ziehen das Spritzenhaus, das Amtshaus, die alte Schmiede und das historische Wirtshaus die Blicke auf sich.

Überall finden sich Bauern- und Kossätenhäuser (Kossäten waren Landwirte ohne oder mit geringem Besitz) - viele sind mit klassizistischen Stuckfassaden verziert, etwa die Nummern 22, 76, 82 und 83. Zu den Attraktionen zählt auch das etwas zurückgesetzte schlichte Wohnhaus eines Kossätenhofes, das 1739 erbaut wurde (Alt-Heiligensee 71). Daneben steht das ehemalige Straßenbahndepot. Es wurde 1912-13 im Auftrag des AEG-Baubüros von Werner Issel entworfen. Bis 1935 verkehrte die Straßenbahn zwischen Alt-Heiligensee und Tegel. Später diente das markante Gebäude der Autoindustrie, heute arbeiten hier Künstler. Davor entsteht ein Skulpturengarten, am Tor wacht ein steinerner Drache.

Auch die Seitenwege zum Nieder Neuendorfer See lohnen einen Abstecher. Anschließend geht es weiter zur Sandhauser Straße - links sieht man den Heiligensee, rechts die Havel. Wir biegen in den Elchdamm ein. Auf dem Friedhof, der sich rechts erstreckt, fand die Dadaismus-Collagekünstlerin Hannah Höch (1889-1978) die letzte Ruhe. Ihr Wohnhaus in der Straße An der Wildbahn 33 ist unsere nächste Station. Vorbei an den reizvollen Baumbergen - einer am Ende der letzten Eiszeit entstandenen Binnendünenlandschaft, die vom Zweiten Weltkrieg bis in die 1980er Jahre als französisches Militärgebiet diente - wandern wir und biegen nach einiger Zeit links in die Reiherallee; überqueren die Heiligenseestraße und tauchen in ein ruhiges Wohngebiet ein. In der Straße An der Wildbahn halten wir uns links. Bald zweigt rechts die Straße An der Hasenfurt ab - das Wohnhaus von Hannah Höch steht genau an der Ecke, umgeben von üppigem Grün. Die Mitbegründerin der Berliner Dada-Bewegung, deren Kunst zur Nazi-Zeit als "entartet" galt, zog hier bis zu 800 Pflanzenarten. Heute lebt hier der Künstler Johannes Bauersachs.

Weiter geht's, bis zur Straße Am Dachsbau, dort rechts ab. Bis zur Ruppiner Chaussee bleiben wir dieser Straße treu, biegen links ab und finden kurz vor dem S-Bahnhof rechts die letzte Sehenswürdigkeit: einen Meilenstein aus Granit, der um 1840 aufgestellt wurde. "11 Meilen bis Berlin" steht darauf. Berlin, das ist in diesem Fall das Oranienburger Tor, das elf Meilen (eine Meile entsprach 7,42 Kilometer) entfernt liegt. Eine wahre Weltreise...

Aus der "Berliner Morgenpost" vom 20. Januar 2007


Hier ein historischer Überblick über die ehemalige Straßenbahn in Heiligensee
Die Straßenbahn der Gemeinde Heiligensee


© Fred Maurer
Impressum Letzte Aktualisierung 27.03.09